Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

Bensheim. Den Ort, an den die meisten Millionen geflossen sein dürften, sieht man von innen normalerweise nicht. Von außen aber ist das große historische Dach prägend für das gesamte Viertel. Zum Abschluss der Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Altbau des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums führte Schulleiterin Nicola Wölbern durch die neuen, alten Räume und mit besonderer Ehrfurcht bis hinauf unter die enorme Dachfläche, die mit einem neuen hölzernen Dachstuhl und neuen Ziegeln versehen und technisch aufgerüstet wurde.

Sobald es wieder möglich ist, soll mit der Schulgemeinde gefeiert werden und die Schüler dürfen „ihre“ Schule wieder erobern. Den Erfolg des dritten und letzten Bauabschnitts nahm zunächst aber nur eine kleine Gruppe in Augenschein, der neben Landrat Christian Engelhardt von Seite des Kreises nur Projektleiter Bernd Rössler und die technischen und kaufmännischen Betriebsleiter Johannes Kühn und Andreas Kaldschmidt angehörten.

Insgesamt 22 Millionen Euro kosteten die seit 2015 laufenden Maßnahmen, erinnerte Engelhardt, „ein echter Brocken für den Kreis“, jedoch für eine gute Sache. Die Geschichte des alten Gebäudes sei zwar wichtig für die Identifizierung damit, ebenso wichtig aber sei es, Schülern und Lehrern mit einer modernen und funktionierenden Umgebung Wertschätzung zu vermitteln.

Derzeit 1037 Schüler

Das AKG sei nun das älteste und schönste, zugleich aber auch – als nach dem Starkenburg-Gymnasium und dem Goethe-Gymnasium zuletzt fertig sanierte Schule – modernste Gymnasium des Kreises. Vor allem aber sei Platz gewonnen worden für die von derzeit 1037 bald wieder auf mehr Schüler steigende Zahl. Mit moderner Glasfasertechnik und neuen Rechnern seien die Weichen für die Zukunft gestellt.

Wie das in der Praxis unter anderem aussieht, demonstrierte Kunstlehrerin Anastasia Schmidt an einer der neuen, intuitiv bedienbaren interaktiven Tafeln. Sensoren an allen vier Seiten ermöglichen, dass die Software mit großer Präzision etwa mit dem Finger auf die Tafelfläche gezeichnete Linien wiedergibt und Handschrift auswertet, die in gut lesbare Druckbuchstaben umgewandelt wird.

Es gibt die Möglichkeit, auch ad hoc auf Fragen zu reagieren, indem man Inhalte, zum Beispiel Videos, aus dem Internet hochlädt und diese sowohl zu präsentieren als auch in Momentaufnahmen umzuwandeln und im Unterricht zu beschriften. Das entstehende Tafelbild kann nicht nur live im Klassenraum und im Homeschooling verfolgt werden, sondern anschließend in ein Pdf-Dokument umgewandelt und archiviert oder verschickt werden. Die Schüler ihrerseits können während des Unterrichts Fotos per Handy hochladen und teilen. Doch lässt sich die Tafelfläche ebenso gut analog nutzen, also mit dem Stift beschriften oder – da magnetisch – als Träger für Poster und Bilder einsetzen.

Als ausgesprochenes Schmuckstück präsentierte die Schulleiterin das innen und außen denkmalgerecht renovierte Lehrerhaus, bei der Erbauung als Wohnhaus konzipiert, das heute als Rückzugsort den Lehrern Ruheräume, Arbeitsplätze und vom Balkon aus eine sehr schöne Aussicht bietet.

Eine weitere Besonderheit der Schule: die große Küche im Keller. Eigentlich nicht im Raumprogramm für Gymnasien vorgesehen, machte der Kreis hier eine Ausnahme wegen des großen Engagements der Elternschaft, die die Ausstattung finanzierte. Nun können dort nicht allein etwa französische Gerichte im Französischunterricht zubereitet, auch bei Schüleraustauschprogrammen kann gemeinsam gekocht werden.

Im Chemieunterricht, wo Experimente der Lebensmittelchemie in den Fachräumen untersagt sind, kann man ebenfalls auf die Küche ausweichen – und auch die Lehrer können hier bei besonderen Gelegenheiten gemeinsam kochen und essen. „Die Küche ist einfach ein Symbol für Gemeinschaft und Miteinander“, so Schulleiterin Wölbern.

Ebenfalls im Keller, dessen historisches Gepräge mit originalen Türgewänden und ornamentierten Pfeilern aus Sandstein beibehalten und mit partienweise offen belassenem Backsteinmauerwerk betont wurde, findet sich ein mit durch Sponsorenläufe finanzierten Fitnessgeräten ausgestatteter Trainingsraum für den Leistungskurs Sport, außerdem eine ganze Reihe von Werkstätten für den Kunstunterricht.

„Es gibt so viele schöne Orte in dieser Schule“, schwärmte Nicola Wölbern unter anderem vom Blick der unter den beiden Kuppeln gelegenen Klassenräume und dankte nicht nur den Mitarbeitern des Kreises, sondern auch Angela Geiger, die – eigentlich Fachlehrerin für Chemie und Französisch – als Koordinatorin für die reibungslosen Absprachen zwischen Schulträger und Schulgemeinschaft gesorgt hatte. (Doris Bambach: Bergsträßer Anzeiger v. 6.5.2021)