Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

AKG-THEATER: Schüler führen Sommernachtstraum von Shakespeare auf / Freche und spritzige Inszenierung

Bensheim. Was für ein Liebeschaos: Hermia liebt Lysander und Lysander liebt Hermia. Heiraten soll Hermia allerdings den sie begehrenden Demetrius. Helena liebt Demetrius. Demetrius wiederum will von Helena nichts wissen. Dazu kommen noch die Paare Theseus und Hippolyta sowie Oberon und Titania, deren Beziehungen ebenfalls nicht ganz konfliktfrei sind.

Theseus und Hippolyta bleiben in Athen, während Hermia vor dem Zorn des Vaters (Egeus) und den drohenden Strafen – Tod, Kloster oder Ehe mit Demetrius – gemeinsam mit Lysander in den Zauberwald flieht. Demetrius verfolgt die beiden, Helena verfolgt Demetrius. Und im Zauberwald will Elfenkönig Oberon mit Hilfe seines Dieners Puck seine eigenen Liebesprobleme lösen und die der vier Athener gleich mit. Das alles geht zunächst mal ziemlich daneben. 

Viel Tempo auf der Bühne

Die Theater AG des AKG hat Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ auf die Bühne des vollbesetzten Speichertheaters gebracht. In der modernisierten und verkürzten Bearbeitung von Michael Assies fegt das 16-köpfige Ensemble aus verschiedenen Jahrgangstufen unter der Regie von Hans Schuller in einer guten Stunde mit viel Tempo durch die verschiedenen Handelsstränge des Originals. 

Die Inszenierung der Komödie orientiert sich an der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel (circa 1797), behält weitgehend die Versform bei, ergänzt um einige zeitgemäße Einschübe. Puck rast etwa „mit Hundert Sachen“ durch den Zauberwald und Demetrius kommt (zunächst) „das Kotzen“, wenn er Helena anschaut. 

Bühnenbild und Kostüme spielen eine untergeordnete Rolle. Richtig kostümiert ist eigentlich nur ein männlicher Elfe, der mit kurzem Röckchen, grünem Glitzeroberteil und Flügeln bei jedem Einschweben für Erheiterung im Saal sorgt. Puck und Oberon sind von einigen Blättern umrankt, Titania ist im langen weißen Kleid unterwegs. Der Rest des Ensembles tritt weitgehend in Alltagskleidung auf. 

Die Atmosphäre der Szenen lebt vom engagierten, körperlichen Spiel der Darsteller. Oft ist die Verzweiflung groß auf der Bühne angesichts des ständig anwachsenden Durcheinanders. Es wird gerannt, gekämpft, gestoßen, gestampft. Puck tanzt und hüpft von links nach rechts, Oberon schleicht manipulierend in gebückter Haltung umher und Demetrius marschiert in stetiger Empörung wie ein soldatisches Urmel aus dem Eis auf und ab. 

Puck ist es, der auf Anweisung Oberons tätig wird und den Liebesreigen durch allerlei Verwechslungen in Gang setzt. Puck tröpfelt dem schlafenden Lysander den Saft des Wilden Stiefmütterchens auf die Augenlider. Das Mittel entfaltet die beabsichtigte Wirkung. Lysander ist ganz irre vor Liebe für das erste Wesen, das er nach dem Erwachen erblickt: Helena. Er lässt Hermia im Stich. Oberon erkennt den Irrtum, Demetrius’ Herz sollte für Helena entfacht werden, und Puck muss nun bei Demetrius tröpfeln. 

Nach einigen Hin- und Her-Getröpfel verläuft schließlich alles in geordneten Bahnen. Demetrius heiratet Helena, Hermia heiratet Lysander – die gesellschaftliche Etikette bleibt zur Zufriedenheit von Theseus, der Hippolyta ehelicht, und Egeus gewahrt. Zudem wird die ebenfalls getröpfelte Titania erlöst von ihren rauschhaften Gefühlen für einen von Puck in einem Esel verwandelten Handwerker, der sich mit einer Laienschauspieltruppe zu Proben in den Zauberwald begeben hatte. Also alles gut in Athen, im Zauberwald und im AKG-Speichertheater. Verdienter langer Schlussapplaus für eine freche und spritzige Aufführung. 

eh

Die Mitwirkenden

Claire Paasche, Paul Berg, Zoe Raphael, Meike Lichter, Anton Janulevicus, Danny Uhle, Antonia Pesch, Jan-Philipp Mischler, Hannah Helbig, Niklas Dietz, Nina Adler, Esher Sailer, Sophia Schmitt, Emilia Maier, Helin Güzel, Valerie Stück. 

eh

© Bergsträßer Anzeiger, 26. April 2018