Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

BENSHEIM.  MUSIKTAGE 150 MITWIRKENDE GASTIERTEN IN SANKT GEORG

Große Besetzung beim dritten Konzert der Bensheimer Musiktage: Mit dem Chor ars musica, dem Jugendchor und Kinderchor des AKG sowie der Kammerphilharmonie Weinheim waren am Sonntag weit über 150 Mitwirkende in Sankt Georg versammelt. Anlass für dieses Riesenaufgebot war die Aufführung von Bob (Robert) Chilcotts knapp einstündigen „Salisbury Vespers“, die seit ihrer Premiere 2009 zu den erfolgreichsten Werken des 1955 geborenen englischen Komponisten zählen.

Das Publikum in der dicht gefüllten Stadtkirche erlebte damit bereits die zweite Gemeinschaftsarbeit von ars musica und AKG nach John Rutters „Mass of the Children“ bei den Bensheimer Musiktagen 2017. Als Programmergänzung hatte Dirigent Hans Jochen Braunstein eine weitere bedeutende Vespervertonung gewählt: Mozarts „Vesperae solennes de Dominica“ KV 321, entstanden 1779 gen Ende seiner Amtszeit als Hofmusiker in Salzburg.

Dieser selten zu hörende Halbstünder des damals 23-jährigen Meisters ist wie fast alle Salzburger Sakralwerke Mozarts in einem eher konventionellen Repräsentationston gehalten und sollte daher nicht mit unverwechselbar persönlichen Geniestreichen wie der c-moll-Messe KV 427 oder gar dem Requiem verglichen werden. Gleichwohl fehlt es dem Stück weder an eleganter Klangpracht noch an charakteristischem Melodienreichtum:

Präzise und gepflegt
Der beeindruckend präzise singende Chor ars musica und die sehr gepflegt spielende Kammerphilharmonie Weinheim lieferten dafür unter Braunsteins souverän differenzierendem Dirigat den leuchtkräftigen Beweis. Besondere Akzente setzten das in expressive e-moll-Farben getauchte „Confitebor“, der nobel strömende Chorsatz „Laudate pueri“ und das von der stilsicheren Sopranistin Doris Steffan-Wagner getragene „Laudate Dominum“. Eva Braunstein (Mezzosopran), Martin Steffan (Tenor) und Lorenz Miehlich (Bassbariton) überzeugten in ihren unprätentiös eingebundenen Soli als aufmerksame Ensemblemusiker.

Genau wie sein erklärtes Vorbild John Rutter hat der ehemalige „King’s Singers“-Tenor Bob Chilcott schon mit etlichen repräsentativen Sakralkompositionen reüssiert. Nach „A Little Jazz Mass“ (2004), „Requiem“ (2010) und „St. John Passion“ (2013) folgten zuletzt die Uraufführungen der „Samba Mass“ (Juni) und des „Christmas Oratorio“ (August). Als perfekter Beherrscher großer Formen und Apparate zeigt er sich auch in seinen „Salisbury Vespers“, in denen kreatives Traditionsbewusstsein und ausgeprägtes Ohrwurmtalent à la Rutter mühelos zusammenfinden. Individuelles Kolorit schafft Chilcott hier nicht nur dank des vielfältigen Einsatzes junger Chorstimmen, sondern auch durch die auf alten englischen Weisen basierenden Motetteneinschübe zwischen den klassischen lateinischen Vesperabschnitten.

Leidenschaftliche Leitung
Unter Braunsteins leidenschaftlicher Leitung gelang den Bensheimer Musikern wie den Weinheimer Gästen eine absolut erstrangige Wiedergabe, die der Opulenz und Verve des abwechslungsreichen Stückes gleichermaßen mitreißend gerecht wurde. Das größte Lob für eine veritable Glanzleistung gebührte fraglos dem von Sabine Wulf und Manfred Hein gewohnt exzellent vorbereiteten AKG-Ensemble, zu dem neben dem eigentlichen Jugendchor noch ein eigens formierter Kinderchor gehörte. Der vokale Nachwuchs bestach nicht nur als punktgenau hinzutretender Partner des hörbar beflügelten ars musica-Chores, sondern bescherte auch in den nur von ihm gestalteten Werkteilen bewegende Auftritte. Die vom Orchester besonders fein begleiteten Motetten (obenan „I sing of a mayden“, „When to the temple Mary went“ und „Lovely tear of lovely eye“) bleiben als lyrische Highlights im Gedächtnis. Lange Ovationen am Ende für alle Beteiligten, Rutters Hit „The Lord bless you“ von 1981 als passende Zugabe.

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 30.10.2019, Autor: Klaus Ross