Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

Die gebürtige Belgierin Goele Proesmans hat mit Beginn des 2. Schulhalbjahres ihren Dienst als neue Oberstufenleiterin am AKG angetreten. Die promovierte Germanistin mit Schwerpunkt Literatur wechselte zuletzt von Offenbach nach Bensheim.

Luftveränderung war angesagt. „Eigentlich wollte ich mich nach acht Jahren in Frankfurt und zehn Jahren in Offenbach lediglich versetzen lassen. Mal aus der Stadt raus, in eine Umgebung, die etwas mehr Platz bietet.“ Vielleicht meint die neue Oberstufenleiterin des AKG, Goele Proesmans, das nicht nur räumlich, sondern auch gestalterisch.

Ihre Biografie ist jedenfalls geprägt von rascher Weiterentwicklung. Aufgewachsen ist sie bis Ende der 1990er Jahre in Belgien, wo sie an ihrer Schule Deutsch als vierte Fremdsprache lernte. Kurze Zeit später gewann sie einen Wettbewerb und erhielt ein Stipendium für intensive Sprachförderung in Marburg. Es folgte im Anschluss das Lehramtsstudium für Germanistik und Anglistik. Die Ausbildung wurde abgeschlossen durch die Promotion in Germanistik.

Wer Deutsch als vierte Fremdsprache lernt und dann später genau dort promoviert, der hat besonderen Gefallen an der Sprache und ihren Ausdrucksmöglichkeiten. So ist deutsche und englische Literatur ein wesentlicher Bestandteil der Freizeitgestaltung im Hause Proesmans. Inzwischen tritt die Schönheit der Bergstraße immer deutlicher zutage und die Erkundung sehenswerter Orte in der Umgebung macht dem Lesen in den eigenen vier Wänden immer stärker Konkurrenz.

Eine Schultüte zum Einstand

Die berufliche Orientierung an ihrem neuen Arbeitsplatz im AKG fiel eher kurz und intensiv aus. Zum Halbjahr die Stelle der Studienleiterin mit Verantwortung für die gesamte Oberstufe zu übernehmen, ließ zunächst keinen Spielraum für eigene Organisationsstrukturen. Glücklicherweise wurden die Abläufe durch Vorgänger Hans-Jürgen Boysen-Stern und dem Interimsteam, bestehend aus Andrea Klein und Felix von Lehmden, bereits für den laufenden Betrieb optimiert. Chefsekretärin Andrea Schwarz kann immer noch jede Frage beantworten und weiß, wo alles zu finden ist.

Überhaupt bezeichnet Proesmans die Aufnahme am AKG als äußerst herzlich und professionell. Obwohl an ihrem ersten Arbeitstag kein nennenswerter Schulbetrieb stattfinden konnte, identifizierte sie gleich die gute Stimmung, die aus dem Kollegium zu spüren war. Die Schultüte, die sie von Schulleiterin Nicola Wölbern überreicht bekam, stellte mithin das Symbol für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit im Schulleitungsteam dar.

Inzwischen ist so etwas wie Schulalltag eingekehrt. Dass dabei keine Routine aufkommen kann, erklärt sich insbesondere an den derzeit herrschenden Umständen, unter denen Schule stattfinden kann und muss. Dabei überwiegt die Freude über Schüler im Präsenzunterricht. „Man sieht, wie systemrelevant der Schulbetrieb ist und welche sozialen und gesundheitlichen Funktionen erfüllt werden.“

Neben der inhaltlichen und pädagogischen Leitung ihres Fachunterrichts steht die Fürsorge für die aktuelle und in einem Jahr folgende Generation an Abiturienten im Fokus der täglichen Arbeit. Wichtig für direktes Feedback sind Aktionen wie das wöchentliche virtuelle Kaffeetrinken mit den Oberstufenschülern. Hier zeigt sich direkt, wo der Schuh drückt. Es herrscht viel Redebedarf.

Dabei geht es nicht nur um fachspezifische Probleme, sondern auch ganz pragmatisch darum, wie der Abiball finanziert werden kann und wie die Schule dabei helfen kann. Nicht zu kurz kommen darf der persönliche Kontakt. In der Tradition ihres Vorgängers nimmt sie sich ebenfalls mehrmals in der Woche Zeit für individuelle Gespräche mit Schülern sowie deren Eltern. Für das anstehende Abitur 2021 zollt sie allen Beteiligten Respekt. „Mit wie viel Aufwand und Selbständigkeit die Vorbereitungen unter widrigen Umständen laufen, ist phänomenal. Ich wünsche mir, dass alle den entsprechenden Ertrag unserer gemeinsamen Anstrengungen ernten. Wir werden alles dafür tun.“

Der etwas bange Blick streift dabei immer wieder den großen Wandkalender. Lassen sich alle Termine halten, wo ist eventuell Spielraum notwendig? Mit der Durchführung der schriftlichen Prüfungen würde zwar ein Meilenstein im Abitur erreicht werden. Mit den sportpraktischen und den mündlichen Prüfungen warten aber weitere inhaltliche, zeitliche und organisatorische Herausforderungen, bevor hoffentlich vor den Sommerferien die Abiturzeugnisse verliehen werden können.

Der Blick von Goele Proesmans ist stets nach vorne gerichtet: „Alles, was effizienter organisiert werden kann, kommt schlussendlich allen in der Schulgemeinde zugute. Eine strukturierte Schule mit guter Kommunikation nach innen und außen trägt wesentlich zum Schulfrieden und damit zur Konzentration auf die Kernaufgaben bei. Ich bin optimistisch, dass wir alles schaffen werden.“ 

C. Roth, Foto: Wöl (erschienen im BA 19.4.2021)