Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

Oberstufenleiter Boysen-Stern und Fachbereichsleiter Thürauf verabschiedet

Hans-Jürgen Boysen-Stern ist bekannt dafür, für alle Probleme eine Lösung zu finden. „Geht nicht – gibt’s nicht“, war seine Devise als Oberstufenleiter, Bauleiter und kommissarischer Schulleiter des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums.

Zum Abschluss seiner Karriere musste er auch noch das Problem lösen, wie er unter Pandemiebedingungen verabschiedet werden kann. Und obwohl sich in diesem Schuljahr gezeigt hatte, dass sogar Gesamtkonferenzen als Online-Konferenz möglich sind, wollte man dieses Format nicht für eine Verabschiedungsfeier. So wurde die Idee der „Arena di Corona“ geboren. „Ich stelle mir das vor wie in der Arena di Verona: Wir stehen unten und machen Musik. Ihr sitzt in den Rängen und genießt“, erklärte Boysen-Stern Personalrat und Schulleiterin. „Wir bauen unten im Schulhof zwischen den Bauzäunen und Baumaschinen eine Bühne auf und verteilen die Kollegen abstandsgerecht in die Klassenräume an den Fenstern zum Hof, so dass sie von Logenplätzen aus das Geschehen verfolgen können. Es gibt Getränke aus Flaschen und Bergsträßer Kracher verpackt.“

Tatsächlich verrät diese Idee viel über Hans-Jürgen Boysen-Stern: promovierter Künstler, begabter Gitarrenspieler, kreativer Organisator. Und nachdem er viel Zeit und Nerven in die Bauleitung am AKG investiert hatte, lag es nahe, auch die Bühne daneben zu errichten. „Du warst in den Situationen, in denen es an unserer Schule an die Substanz ging, auf deinem Posten“, würde später Herr Krebs, der Personalratsvorsitzende, dankbar sagen. Besser hätte man es kaum formulieren können. Das bedeutete in der Praxis, schulfernen Architekten die Funktionalität von Schule zu vermitteln, als das AKG aufwändig renoviert werden sollte. Fehlende Waschbecken in den Klassenräumen im Nordflügel der Schule, die nun in der Pandemie durch mobile in den Fluren ergänzt werden mussten, zeugen davon, dass er nicht immer Gehör fand.

Eine weitere Institution verlässt das AKG mit Fachbereichsleiter Richard Thürauf. Schulleiterin Nicola Wölbern beschrieb ihn in ihrer Würdigung so: „Du warst leidenschaftlich gerne Lehrer und ein leidenschaftlicher Lehrer. Großzügig hast du investiert und standest mit deinem Namen für den Leistungsanspruch, den das AKG hat.“ Mit einem Augenzwinkern fügte sie an: „Dein Name auf dem Stundenplan rief bei dem einen Sorge, bei dem anderen Begeisterung hervor“.

Neben der Leitung des Fachbereichs war das besondere Aufgabenfeld von Richard Thürauf der Haushalt. Mit mathematischer Strenge, buchhalterischer Genauigkeit und der nötigen Flexibilität meisterte er den Drahtseilakt zwischen vorhandenen Geldmitteln auf der einen Seite und den Anschaffungswünschen auf der anderen. Seine große Einsatzbereitschaft zeigte sich auch in den Sommerkursen für Schüler, die aus dem Auslandsjahr zurückkamen. Viele Jahre konnten Schüler die mathematischen Kenntnisse unter seiner Anleitung auffrischen und erwerben, die sie zur erfolgreichen direkten Weiterarbeit in der Q-Phase brauchten. Richard Thüraufs Tun identifizierte sich immer mit dem Spruch „Erfolg hat sechs Buchstaben: Machen“. Manche Anekdote der vergangenen Jahrzehnte wurde dazu an diesem Abend ausgetauscht.

Kompromissbereitschaft war eine Eigenschaft, die der Künstler Boysen-Stern zeigte. Vielleicht geprägt von seinen sechs Jahren in Thessaloniki, wo er von 1990 bis 1996 als deutscher Lehrer im Ausland an der deutschen Schule war. Wer in Griechenland gelebt hat, weiß: Dort gibt es immer den vorgeschriebenen, bürokratischen Weg - und dann gibt es eine Lösung, die elegant bürokratische Hürden zu nehmen weiß. Als dann 2016 das AKG plötzlich führungslos war, weil der damalige Schulleiter Karlheinz Wecht in den Ruhestand ging und Stellvertreter Udo Jeserigk ins Sabbatjahr, da hat er das Steuer ergriffen. Nicht auf der Suche nach Prestigegewinn, sondern aus Sorge um seine Schule. Wie viel Zeit und Nerven er dabei verloren hat, wissen manche, die ihn näher kennen. Ohne die Unterstützung seiner Frau Jutta Stern, bei der er sich an diesem Abend bedankte, wäre das nicht möglich gewesen.

So fällt es schwer, sich von beiden zu verabschieden. Nicola Wölbern gelingt dies in einer emotionalen Rede zu Hans-Jürgen Boysen-Stern: „Du bist ein positiv denkender Mensch und trittst deinen Mitmenschen gegenüber genauso auf. Offen, freundlich, norddeutsch. Du glaubst daran, dass dein Gegenüber sich verändern kann und nach deiner Beratung etwas besser werden kann. Mit dieser Haltung hast du Mut gemacht.“ Boysen-Sterns Antwort verrät viel über ihn, frei nach Nelson Mandela: „Wenn wir unser Licht scheinen lassen, ermöglichen wir anderen, das Gleiche zu tun.“ Konsequent verabschiedete er sich mit dem Gospel: „This little light of mine, I’m gonna let it shine.“ Ein Leuchten nahmen viele Kollegen auf den Weg durch die Dunkelheit mit nach Hause. 

Florian Krumb