Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

Du suchst eine Abwechslung zum Alltag und willst neue Seiten an dir kennen lernen? Oder du hast schon Theater gespielt und willst dies an der Schule auf Englisch fortsetzen?  Du weißt nicht, ob du eine extravagante Rampensau oder ein introvertierter Nerd bist? Du willst den chronischen Jungenmangel im Theater beenden und den Stereotyp, alle Schauspieler seien schwul, entweder unterstützen oder widerlegen? Du willst auf der Bühne in ein Kleid gesteckt werden, dass du eigentlich zu kurz findest? Dann ist die Englisch Theater AG (ETAG) genau das richtige für dich!!

Die AG richtet sich vor allem an Schüler*innen der Oberstufe, nimmt aber gegebenenfalls auch jüngere auf, abhängig von vorhandenen Rollen. Exzellente Englischkenntnisse sind ebenso wenig erforderlich wie Schauspielerfahrung, wir freuen uns aber, wenn du Interesse, Enthusiasmus und Verantwortungsgefühl gegenüber der Gruppe mitbringst.

In der Regel findet eine Probe pro Woche statt, zurzeit donnerstags zwischen 15.40 und 17:30. Die Probe besteht meistens aus Aufwärmspielen, Stimmübungen und Improvisation – hauptsache loslassen und vom Alltag frei machen – und natürlich der Arbeit am jeweils aktuellen Stück. Vor den Aufführungen (meist Anfang Mai) werden die Proben zahlreicher und es kommen nach Absprache Fototermine und Wochenendproben dazu. Im Februar fahren wir zusammen für eine Theaterfreizeit in die Jugendherberge in Ernsthofen. Dort arbeiten wir nicht nur intensiv an unseren Charakteren und am Stück sondern feiern, machen crazy Impro-Spiele und stärken den Gruppenzusammenhalt.

Pro Schuljahr wird ein abendfüllendes Stück erarbeitet; das kann ein lustiges (wie „37 postcards“ von Michael McKeever), ein dummes und lustiges („Oh, Promise me“ von Pete Williams), ein Krimi(„Ten Little Indians“ von Agatha Christie), ein ernstes („Time and the Conways“ von John Boynton Priestley) oder berühmtes Stück sein („A Midsummer Night’s Dream“ von William Shakespeare oder „Our Town“ von Thornton Wilder). Manche sprechen hier von Komödie, Farce, Problemstück oder Dramen der Weltliteratur.

Das Stück soll am Ende als gemeinschaftliches Projekt entstehen, Kostüme, Plakate, Bühnenbild, Maske und Musik zusammen ausgewählt oder erarbeitet sein. Unter anderem mit Spielen lernen wir uns alle besser kennen und bauen Hemmungen ab, damit sich jeder auf und hinter der Bühne wohl fühlt.

ETAG in der Corona-Zeit:

Die AG ist zurzeit nicht nur auf Instagram (@etagbensheim) und Facebook (@ETAG) mit Charakterfotos, Rückblicken und Neuigkeiten aktiv, sondern auch auf der Homepage. Dort gibt es eine Ensemble-Wand und ab dem 04.05.2020 einen selbstgemachten Trailer und Probenvideo aus den digitalen Proben über Videokonferenzen.

Hier geht’s zur Instagram-Seite: etagbensheim
Facebook: ETAG
Trailer: https://youtu.be/maqrGq6D1_0
Probenvideo: http://youtu.be/uibx5UtoZvw

Ensemble-Wand: "Am Theaterspielen liebe ich..."

Jenny: Mir gefällt das Spielen im Theater, weil man sich in verschiedene Rollen entfalten kann und in andere Welten "eintaucht"(+ es gibt Kekse lmfao)

 

 

Sarah: Am Theaterspielen liebe ich es, alles um mich herum zu vergessen und in neue Rolle zu schlüpfen.

 

 

Lana: Und was ich am Theaterspielen liebe: Auch mal richtig unsympathisch sein dürfen, ohne dass man gleich nicht mehr gemocht wird. Und natürlich den Figuren eine Gestalt geben, in die man auch immer einen Teil von sich selbst rein gibt.

Hannah: Am Theater allgemein liebe ich, dass es mir einen Ort bietet, an dem ich ganz frei sein kann. Auf der Bühne kann ich mich ausprobieren, kann Dinge tun, die ich mich im Alltag nicht traue, von denen ich gar nicht wusste, dass sie in mir stecken.

Paul: Theater ist für mich immer ein bisschen wie eine kleine Reise auf einen anderen Planeten. Wenn ich im Theater einen Schock bekomme, wenn mich emotionale Szenen aufwühlen und ich ein mulmiges Gefühl im Bauch bekomme, wenn ich ewig über das (gesehene) Schauspiel reden könnte und es mich lange begleitet, dann habe ich ein Gefühl, als würde mich das Spiel an einen anderen Ort entführen. 

 

 

 

Fabian: Im Theater kann man so manchen Impuls, den man im Alltag vielleicht unterdrückt, gewähren lassen. Man kann sich in einer besonderen Weise selbst verwirklichen: Indem man jemand anderes ist.

Wenn ich auf der Bühne stehe, mit einem wirklichen Publikum, denke ich anders über alles nach, was ich tue. Und alles, was nicht unmittelbar anwesend ist, ist egal.

 

 

 

Nicole: Am Theaterspielen liebe ich es, dass man auch mal Charaktere verkörpert, die man im Alltagsleben nicht zeigt und so andere überraschen kann.

 

 

 

 

 

 

 

Christina: Was mich am Theaterspielen begeistert ist, die Art wie man in eine andere Rolle mit neuer Persönlichkeit und einem völlig neuen Auftreten schlüpft. Man ist gezwungen aus seiner gewohnten Komfortzone herauszukommen.
Wenn man die Bühne betritt, verkörpert man eine andere Person, man muss handeln wie sie, auch wenn es einem oft selbst  seltsam erscheint.
Aber so ist das Theater, man stellt sich neuen Herausforderungen, an denen der eigene Charakter wächst.

Elisabeth: Theaterspielen bedeutet für mich die Möglichkeit, Phantasien zum Leben zu erwecken, abzutauchen und für eine Weile nicht ich selbst sein zu müssen. Man kann für das, was man tut, nicht verurteilt oder bewertet werden, da man es ja nicht selbst ist, sondern eine Rolle, manchmal das komplette Gegenteil der eigenen Persönlichkeit.

Adeline: Am Theaterspielen mag ich die Möglichkeit, mal aus dem gewohnten Leben auszusteigen und mal eine andere Person zu sein. Einfach mal in eine Rolle hineinschlüpfen und aus seiner Komfortzone heraustreten. Das geht natürlich beim Impro-Theater am besten - da kann man wirklich so verrückt sein wie man will und all seine Gedanken in eine Rolle verwandeln, auf die man gerade Lust hat.

Anton: Ich mach‘ Theater, weil’s eine gute Ablenkung zum langweiligen Alltag darstellt.

 

 

 

 

 

Leonard: An Theater liebe ich die Vielfalt an Ausdrucksmitteln, mit der es für mich auf einzigartige Weise mit Geschichten, Charakteren, Symbolen und Themen auseinander setzen und diese in einem einmaligen Erlebnis präsentieren kann. Theater konfrontiert und regt zum Reflektieren, Diskutieren, Fühlen und Träumen an.

Ferhat: Mir gefällt es die Geschichte bzw. die Handlung des Stückes aus der Perspektive verschiedener Figuren zu sehen. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte und Entwicklung was das Theaterspielen überhaupt interessant macht.

 

Florian Krumb: Was für mich Theater bedeutet? Freiheit von Zwängen. Oder um es mit Schiller zu sagen: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Ohne Theater fühle ich mich wie ein Tier im Käfig.

Mehr dazu s.u. ...

   


Florian Krumb: Vom Beleuchter zum Intendanten

Mein erste Produktion war „Our Town“ von Thornton Wilder. Ich war für das Licht und die Liebesszenen zuständig. Beides erforderte schwierige Balanceakte, für die Frau Weingärtner, die damalige Leiterin der Englischen Theater AG, kurz ETAG, sich zu alt fühlte. Eigentlich fand ich „Our Town“ altmodisch und rührselig, bei der Schlussszene habe ich trotzdem Rotz und Wasser geweint.
Das nächste Stück sollte lustig sein. Das war dann „Black Comedy“ auch. Der größte Teil der Handlung spielt sich im Dunkeln ab, denn zu Beginn gibt es einen Stromausfall. Die Idee von Peter Schaffer war simpel, aber genial: Wenn es im Stück dunkel ist, ist es auf der Bühne hell und umgekehrt. Wir haben wochenlang in dunklen Räumen geprobt, um eine Gefühl dafür zu bekommen und uns unzählige blaue Flecken eingehandelt. Zur Entschädigung stieg ich zur Regieassistenz auf.

Dann kam „37 Postcards“, ein Stück wie geschrieben für ETAG und fürs neue Speichertheater. Obwohl es uns vor technische Probleme stellte, denn alle Szenen finden im Wohnzimmer der Familie Sutton statt, das sich, wie die ganze Familie, in Schieflage befindet. Eine kippbare Bühne hatten wir natürlich nicht. Das Stück war so neu, dass es in Deutschland keine Druckfassung gab und ich Michael McKeever, dem Autor, erst eine Mail schreiben musste, um das Stück zu bekommen.
Als letztes Stück vor meinem Auslandsdienst in Athen führten wir „Most Criminal Crimes“ auf, ein Stück, das lustig, aber völlig sinnfrei war.

Als ich aus Griechenland zurück kam, wo ich immer gegen die Konkurrenz der großartigen griechischen Theatergruppe meines Kollegen Papapetrou zu kämpfen hatte, hatte sich kein Nachfolger für Frau Weingärtner gefunden. Also stieg ich 2011 als Co-Regisseur bei „Flat Spin“ ein. Die Gnocci-Szene wird manchem noch in Erinnerung sein, in der Fabian/Tobi erst Kartoffelklößchen und dann die Nachbarin durchkneten durften.
Mein Freund Harvey“ (2012) bescherte uns allen dann einen unsichtbaren Freund. Ich war ein Jahr mit dem weißen, 1,80 m großen Kaninchen unterwegs und eine Dame am Kirchberghäuschen unterhielt sich sogar intensiv mit ihm.

Darauf folgte „Arsenic and Old Lace“ (2013). Ich war plötzlich alleine verantwortlich, denn Frau Weingärtner war in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Eine weitere Herausforderung dabei: Zwei Abiturientinnen spielten zwei alte Damen, die aus Menschenliebe alte Witwer vergiften. Zur Überraschung aller gingen Katrin und Fiona dann aber in ihren Rollen auf. Genauso wie im folgenden Jahr in „Comic Potential“ (2014) , als Fiona eine „Actoid“ darstellen durfte und Sally-like stöhnen musste, während Kathrin eine Prostituierte spielte, als sei sie vom Fach. (Von Chandler, dem Regisseur im Stück, habe ich dann auch eine wichtige Lektion gelernt: Jeder große Regisseur braucht gute Assistenten, wenn er alt wird. So habe ich für das Licht die Event-AG ins Leben gerufen und für die Liebesszenen eine Regieassistenz gesucht.)

2015 dann „Suite Surrender“, das neueste Stück von Michael McKeever. Zwei Operndiven, die sich auf der Bühne die Haare ausreißen, obwohl sie in Wirklichkeit beste Freundinnen sind. Mit dem ersten Live-Gesangsauftritt im im Englischen Theater.
Im Jahr darauf „Mousetrap“ von Agatha Christie. Wenn ich gewusst hätte, wie schwer es immer noch ist, für dieses über 60 Jahre alte Stück die Rechte zu bekommen, hätte ich vermutlich ein anderes ausgesucht.
Das war bei „Oh, Promise me!“ (2017) dann kein Problem. Niemand kannte das Stück, aber wir hatten die ideale Besetzung. Um so größer der Erfolg. Das erste Mal mussten wir am letzten Tag Zuschauer wegschicken, weil das Speichertheater so voll war, dass es gegen die Brandschutzverordnung verstieß.
Auch beim „A Midsummer-Night’s Dream“ (2018) war die Bude voll — oder eher der Schulgarten. Alina hatte die Regie an sich gerissen, Vanessa die Assistenz, für mich blieb die Rolle des Intendanten, der schlaflose Nächte hatte, weil die ganze Technik im Biotop ohne Dach stand, während sich ein Gewitter ankündigte. (Dank an Jakob für die Nachtwache.)

2019 dann ein Umzug vom Speichertheater zurück ins Foyer. Back to the roots. Dort hatte ich mit „Our Town“ begonnen. Auch diesmal fühlte ich weniger als Regisseur denn als Bühnentechniker. (Für die Regie hatte ich ja Fabian und Leo.) Ich musste wieder auf die Leiter und Balanceakte ausführen, weil die Scheinwerfer umgehängt werden mussten. Mit „Time and the Conways“ hatten wir uns ein schwieriges Stück ausgesucht, das sowohl Zuschauer als auch die Gruppe extrem forderte. Theater ist eben nicht nur Unterhaltung, sondern setzt manchmal auch die intensive Beschäftigung mit der Materie voraus. Oder wenigstens die Lektüre des Programmhefts.

Mit „Twelfth Night“ wollten wir es den Zuschauern dann wieder einfacher machen. In der modernisierten Fassung von Leonard Kaiser gibt Shakespeare zeitgemäße Antworten auf die brisante Frage nach „Sex and Gender“, verpackt in eine vergnügliche Verwechslungskomödie. Die Motivation der Schauspieler*innen war selten so hoch wie in diesem Jahr, im Februar schon das Gefühl, fast aufführungsreif zu sein.
Für mich eine traurige Premiere im Englisch-Theater: Die Aufführungstermine nicht einhalten zu können, obwohl alles im Zeitplan ist. Weil ein Virus alles andere von der Bühne verdrängt hat. Aber wenn selbst die Pest in London auf Dauer den Siegeszug des Theaters nicht verhindern konnte, bleibt Hoffnung.

Was für mich Theater bedeutet? Freiheit von Zwängen. Oder um es mit Schiller zu sagen: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
Ohne Theater fühle ich mich wie ein Tier im Käfig.